Wir trauern um Gertrud Träger

Frau Träger, geboren am 16. März 1923 in Luditz (Kreis Buchau), widmete sich der Sudetendeutschen Familienforschung. 1981 bis 1991 leitete sie die Forschungsgruppe Luditz und sie war lange Jahre Mitarbeiterin der Forschungsgruppe Tachau.

Gertrud Träger war die Tochter eines Arztes aus Tachau und ging in die Bürgerschule in Luditz. Von 1943 bis zur Vertreibung wirkte sie in der Sparkasse Tachau als Buchhalterin. Nach der Vertreibung kam sie zusammen mit ihrer Mutter nach Dorfen und ging dann zur Weiterbildung nach Heidelberg. Seit 1960 lebte Frau Träger in München. Dort war sie, nach Tätigkeit in der Firma Triumpf-Mieder, von 1963 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1983 in München Hauptbuchhalterin.

Neben ihrer beruflichen Tätigkeit widmete sich Frau Träger seit den 1960er Jahren der Heimatforschung und der Dokumentation ihrer alten Heimat. In wenigen Jahren entstand 1971 in enger Zusammenarbeit mit den Gemeindebetreuern das Heimatbuch Kreis Luditz. Es folgte das Ehrenbuch der Opfer des Ersten Weltkriegs im Kreis Luditz und 1973 ein umfangreiches Personen- und Sachregister zum Heimatbuch Luditz.

In den Jahren 1990 bis 1993 stellte Frau Träger die Topographie der Kulturdenkmäler im Egerland, Kreis Luditz, zusammen. Außerdem ermöglichte sie die Neuauflage der Geschichte der Stadt Luditz, die sie für den Zeitabschnitt 1936 bis 1946 ergänzte, und legte eine Sammlung Geschichte der Luditzer nach der Vertreibung an. 1985 inventarisierte sie den gesamten Bestand der Luditzer Heimatstube in der Patenstadt Bad Sooden-Allendorf. In den Jahren 1992 bis 1994 stellte sie mit der Leiterin Irene Küllmer das Kreisarchiv zusammen.

Auch bei der Tachauer Heimatstube in der Patenstadt Weiden (Oberpfalz) half sie 1991 bis 1993 bei der Inventarisierung mit und stiftete eine Vitrine mit Erzeugnissen der Tachauer Holzindustrie, die in der Fabrik ihres Onkels in Tachau hergestellt wurden. Für die Schriftenreihe zur Tachauer Heimatgeschichte stellte sie 1989 den Band 3 "Künstler aus dem ehemaligen Kreis Tachau-Pfraumberg" zusammen und finanzierte zusammen mit Heimatkreisbetreuer Dr. Wolf-Dieter Hamperl das tschechisch-deutsche Druckwerk "Die historischen Grabmäler der Tachauer Region" 1994. In den Publikationen Tachau, Geschichte einer deutschen Stadt in Böhmen in Wort und Bild (1994) und Vertreibung und Flucht aus dem Kreis Tachau im Egerland 1945 bis 1948 ist sie mit Beiträgen vertreten. Über mehrere Jahre erarbeitete sie mit den Gemeindebetreuern die Grundlagen zu den Kunstdenkmälern des politischen Bezirks Tachau, erschienen 1999 in der Dokumentationsstelle zur Erfassung der Kulturwerte in den deutschen Gebieten von Böhmen, Mähren und Schlesien im Sudetendeutschen Haus in München.

Für das Egerländer biografische Lexikon von Dr. Josef Weinmann lieferte sie Unterlagen über die Persönlichkeiten der Kreise Luditz und Tachau. Sie war Mitarbeiterin der Abteilung "Kunstgeschichte" im Arbeitskreis Egerländer Kulturschaffender und sammelte Unterlagen für über 110 Egerländer Künstler, die nur zum Teil im Katalog 2 "Kunstschaffen der Egerländer im 20. Jh." aufgenommen wurden. 1981 bis 1989 ordnete und archivierte Frau Träger die Werke und die Kunstsammlung von Professor Richard Fleißner, Tuschkau/München (1903-1989) und unterstützte den Künstler bei der Errichtung einer Stiftung mit dem Ziel, eine Kunstgalerie im Egerland-Kulturhaus Marktredwitz für Kunst des 20. Jhd. einzurichten.

Seit 1997 wirkte Frau Träger im Organisations-Gremium für die Kunstgalerie mit und trug dazu bei, daß die Egerländer Kunstgalerie Marktredwitz im September 1999 mit eigenen Exponaten sowie weiteren Zustiftungen und vor allem Leihgaben des Museums Ostdeutsche Galerie Regensburg und von Künstlern, Kunstsammlern und Kunstnachlässen eröffnet werden konnte. Im Jahr 2000 stellte sie den beachtlichen Betrag von 10 TDM für die wissenschaftliche Betreuung der Kunstgalerie zur Verfügung.

Als Kulturbeauftragte des Heimatkreises Luditz erarbeitete sie mit den Ortsbetreuern in 1998 bis 2000 eine Kultur-Katasterkartei. Mit Hilfe des Kulturkatasters entstand die erste deutsch-tschechische Denkmalliste als Prototyp für den Kreis Luditz-Buchau-Deutsch Manetin auf der Basis des CR-Entwurfs vom Landesamt für Denkmalpflege in Karlsbad. Der tschechische Entwurf der Denkmalliste wurde durch Frau Träger ergänzt; Herr Zeischka (Oberhausen/Waltsch) lieferte dazu die Denkmallisten. In gleicher Weise arbeitete Frau Träger an den Neuerstellung des Kulturkatasters für die Stadt Luditz.

Am 22. November 2000 erhielt sie den Bundesverdienstorden als Würdigung um ihre großen Verdienste um den Erhalt der kulturellen Identität der heimatvertriebenen Egerländer.

Frau Träger starb am 22. Januar 2015 in Marburg im Alter von 91 Jahren. Wir werden sie gerne in Erinnerung behalten.

Quellen: Der Egerländer und Heimatbrief Luditz

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