Nachruf Lore Schretzenmayr

Nachruf

Die Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher trauert um Frau Lore Schretzenmayr geb. Schiepeck.

Sie war eine Persönlichkeit, die Respekt ausstrahlte. Ihre Leidenschaft war die Genealogie, die Erforschung des Lebens und der Lebensumstände ihrer Vorfahren, ihrer Landsleute und aller daran Interessierten. Diese Leidenschaft prägte sie zeitlebens, vom Familientreffen SEICHE im Jahre 1935 im Dorf Auschine, Pfarrei Kulm im Bezirk Aussig, die sie als 10-jähriges Mädchen erlebte, bis zum Ende ihres Lebens.

Am 4.7.1925 als Lore Schiepeck in Aussig a.d. Elbe geboren, besuchte sie dort Volksschule und Gymnasium und wurde nach dem Krieg wie alle Deutschen aus ihrer Heimat vertrieben. Die Flucht führte sie mit Mutter und Schwestern über die nahe Grenze nach Sachsen in den Bayerischen Wald und nach Regensburg, wo die Familie eine neue Existenz aufbaute. Sie war zunächst als Hauslehrerin tätig, absolvierte eine Ausbildung als Dolmetscherin. Nach dem Besuch der Hotelfachschule in Bad Reichenhall und einigen Jahren Berufstätigkeit (u. a. in Rüdesheim am Rhein) heiratete sie den Architekten Helmut Schretzenmayr und gründete eine Familie, der die Kinder Beate und Stefan entsprangen. Die Familienforschung blieb ihre Leidenschaft in Regensburg, das ihr zur zweiten Heimat wurde.

Zu dem Interesse für ihre sudetendeutschen Vorfahren kam nunmehr auch die Erforschung der Familie ihres 1987 früh verstorbenen aus Lauingen/Donau stammenden Ehemannes. Über Jahre hinweg erforschte sie diese Familie, dazu dann auch die Namensträger Schretzenmayr in Bayern und in aller Welt und wohl auch in allen genealogischen Verästelungen. Sie trat dem Bayerischen Landesverein für Familienkunde bei, wo sie verschiedene Vorstandsaufgaben übernahm.

Bereits 1949-50 fand sie Kontakt zu sudetendeutschen Familienforschern, mit denen sie zeitlebens verbunden war. 1971 war sie Gründungsmitglied (Mitgliedsnummer 4!) der Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher – zuerst und über viele Jahre als Kassenwartin, von 1995 bis 2001 als deren Vorsitzende und bis 2007 im Beirat. In gleicher Weise war sie in den 1970er Jahren auch im Vorstand des Vereins Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher (AGoFF) aktiv geworden.

Über viele Jahre engagierte sich Lore Schretzenmayr intensiv für die Belange der Genealogie. Mit großem Engagement führte sie seitdem die Interessenten dieses Arbeitsgebietes zusammen, organisierte die Deutschen Genealogentage 1976 in Regensburg und 1982 in Passau, veranstaltete Tagungen und kuratierte Ausstellungen, organisierte zahllose Fachseminare zur ost-, sudeten- und mitteldeutschen Familiengeschichtsforschung und vermittelte dabei überzeugend und mit profunder Sachkenntnis heimat- und familiengeschichtliche Zusammenhänge.

Von 1987 an übernahm sie viele Jahre lang zudem die Verantwortung für unser Sudetendeutsche Genealogische Archiv SGA in Regensburg. Wer sie einmal in ihrem Haus im Regensburger Erikaweg 58 besuchte, weiß bestens, wovon hier die Rede ist.

Besonders am Herzen lag ihr ihre Heimatstadt Aussig, sie hatte z. B. bis zuletzt einen guten Draht zum Archiv dieser Stadt.

Auf dem Sudetendeutschen Tag 2001 wurde Frau Lore Schretzenmayr mit der Adalbert-Stifter-Medaille der Sudetendeutschen Landsmannschaft geehrt.

In ihrer ersten Heimat, der sudetendeutschen Heimat tief verwurzelt zu bleiben, war ihr ein steter Antrieb; sie unternahm sehr viele Fahrten in die Heimat, pflegte Kontakte, recherchierte in tschechischen Archiven – oft und häufig nur für ihre Landsleute; sie war Vorbild und Antrieb für viele andere. Mit ihrer Aufgeschlossenheit gegenüber den Generationen der Kinder und Enkel verschaffte sie der genealogischen Forschung eine breite Öffentlichkeit und gab ihr – noch viel bedeutsamer – fortdauernde, weit in die Zukunft wirkende Impulse.

Frau Schretzenmayr hat es schon in den für die Vertriebenen schweren Zeiten nie an Standhaftigkeit gefehlt, die berechtigten Anliegen der Sudetendeutschen auch in dem nur vermeintlich unbedeutenden Bereich der der Genealogie zu vertreten; in der Tat hat sie damit aber maßgeblich zum Erhalt von deren kulturellem Erbe beigetragen.

Frau Schretzenmayr starb am 12.1.2014; ihren Angehörigen gilt unsere Anteilnahme. Wir werden ihr ein ehrendes Andenken wahren.

Für den Vorstand

Gregor Tumpach

Wir danken Herrn Dr. Albert F. Vogt vom Bayerischen Landesverein für Familienkunde, Bezirksgruppe Oberpfalz, der uns seine Ansprache anlässlich der Beerdigung zur Verfügung stellte. Wir haben sie in Auszügen übernommen.